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10 Kardinalfehler im Bewerbungsgespräch

Du hast es geschafft, Dich mit Deinen Bewerbungsunterlagen von anderen Kandidaten/innen abzuheben und wirst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen? Herzlichen Glückwunsch. Die halbe Miete ist geschafft. Leider kann auch im Bewerbungsgespräch noch so einiges schief gehen. Damit Ihr auch im Bewerbungsgespräch glänzt, habe ich hier eine kleine, aber feine Best of-Liste mit den häufigsten Kardinalfehlern zusammengestellt, die Du im Bewerbungsgespräch vermeiden solltest.

  1. Schlechtes Zeitmanagement

Natürlich macht Zuspätkommen keinen schlanken Fuß. Sollte es Dir aus welchem Grund auch immer trotzdem passieren, rufe Deine Ansprechperson kurz an und gib ihr Bescheid. Solltest Du bereits viel zu früh ankommen, so vertritt Dir lieber noch die Zeit im Eingangsbereich. Der Recruiter hat neben Deinem Bewerbungsgespräch auch noch andere Dinge zu erledigen und ist in der Regel nicht erfreut, wenn Du eine halbe Stunde zu früh auftauchst. Als Faustregel gilt: Maximal 10 Minuten zu früh zum Gespräch kommen. Mach Dir auch nicht unmittelbar nach dem Gespräch einen weiteren Termin aus. Minütlich gestresst auf die Uhr zu schauen weil Du gegen Ende des Vorstellungsgesprächs noch zum Zug musst kommt auch nicht so gut an.

  1. Unpassender Kleidungsstil

Je nachdem wo Du Dich bewirbst, gibt es einen passenden Dresscode. Überlege Dir vorab, was du zum Bewerbungsgespräch tragen wirst und lass Dir von jemandem aus Deinem Freundeskreis Feedback geben. Auf den meisten Webseiten von Unternehmen findet man Fotos der Mitarbeiter/innen. Schau Dir an, was sie tragen. Grundsätzlich gilt: Lieber overdressed als zu leger und auf jeden Fall gepflegt (Stichwort: Haarschnitt, Schuhe, Make-Up bzw. Bart). Kandidaten/innen in Flip Flops würde ich jedenfalls ins Freibad und nicht in die nächste Gesprächsrunde schicken.

  1. Unvorbereitet ins Gespräch gehen

Ich hatte schon Gespräche mit Kandidaten/innen, die tatsächlich nicht wussten, bei welchem – der offensichtlich unzählig angeschriebenen – Unternehmen sie gerade sitzen. Besonderen Eindruck machten auch jene Bewerber/innen, die mich auf die simple Frage Was wissen Sie über unser Unternehmen? mit drei großen Fragezeichen auf der Stirn anstarrten und leider auch im Improvisieren keine Weltmeister/innen waren.

Simpler Tipp: Nimm dir vor dem Gespräch mindestens 30 Minuten Zeit, die Homepage des Unternehmens durchzuklicken. Informiere Dich über Strategie und Produkte/Dienstleistungen sowie Deinen zukünftigen Aufgabenbereich. Es ist auch vorteilhaft, Dir Infos über Deine/n Ansprechpartner/in einzuholen (zum Beispiel über LinkedIn). Du kannst Deinen Wissensschatz elegant ins Gespräch einfließen lassen – nicht nur dann, wenn Du dezidiert danach gefragt wirst.

  1. Authentisches Auftreten

Dich im Gespräch krampfhaft für eine Person ausgeben, die Du einfach nicht bist, hat wenig Sinn. Ein/e Recruiter/in mit etwas Erfahrung bzw. Menschenkenntnis wird Dir ohnehin auf die Schliche kommen, wenn Du Dich verstellst. Prahlst Du mit nicht vorhandenen Stärken oder Kenntnissen bekommst Du eventuell tatsächlich eine Job-Zusage. Sowohl Du als auch Dein neuer Arbeitgeber werden innerhalb der ersten Tage schnell feststellen, dass ihr kein „perfect match“ seid. Überzeuge lieber mit Individualität und Charme. Sprichst Du als waschechte Tirolerin Dialekt, würde ich das im Bewerbungsgespräch nicht krampfhaft zu verstecken versuchen – das bist Du und macht einen Teil Deiner Persönlichkeit aus. Solltest Du etwas nicht wissen oder können, ist eine ehrliche Antwort dreimal sympathischer und zielführender als falsche Tatsachen vorzuspiegeln.

  1. Abgegriffene Floskeln                                                                                                                            

1000 Mal gehört – 1000 Mal verhalten gegähnt. „Perfektionismus“ oder „Ungeduld“ sind keine tatsächlichen Schwächen, sondern einfach nur in Dutzenden Bewerbungsratgebern angegebene „Lernfelder“. Überlege Dir statt Deiner Schwächen lieber, welchen Mehrwert Du der Firma mit Deinen Erfahrungen und Qualifikationen bringst, was Dich gegenüber anderen Kandidaten/innen auszeichnet und was konkret Dich am Job interessiert.

Lerne bitte auch nicht Deinen CV auswendig und bete ihn gekünstelt wie ein Roboter herunter. Verwende eigene Beschreibungen und Wörter. Du rückst Dich ins beste Licht, wenn Du überzeugend argumentieren kannst, warum Du die wesentlichen Aufgabenbereiche gut abdecken kannst und welche Stärken Du mitbringst. Ein/e gute/r Recruiter/in wird sich ohnehin nicht damit zufrieden geben, dass Du „zielstrebig“, „analytisch“ und „stressresistent“ bist. Überlege Dir Beispiele wo und wie genau Du diese Qualitäten bereits unter Beweis stellen konntest.

  1. Die Gretchen-Frage nach dem Gehalt

Mach Dir vor dem Gespräch Gedanken, was Dein Minimum- bzw. Idealgehalt ist. Informiere Dich bei Freunden oder Bekannten zur Branche bzw. recherchiere online. Die Antwort Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht wirkt äußerst unprofessionell und wenig glaubwürdig. Sollte Dir eine konkrete Antwort dennoch schwer fallen, sag was Du bei Deinem letzten Arbeitgeber verdient hast. Nenne einen genauen Betrag. Ich rate Dir jedenfalls davon ab, eine Gehaltsspanne anzugeben. Falls doch, kannst Du davon ausgehen, dass Dein Gehalt jedenfalls am unteren Ende der Fahnenstange bemessen werden wird.

Argumentiere Deine Gehaltsvorstellung immer sachlich und auf den Job bezogen. Die „Begründung“ dass Deine Frau schwanger ist, Du gerade dabei bist, eine Wohnung zu kaufen etc. und deshalb Summe xy „brauchst“ hat im Bewerbungsgespräch nichts verloren. Zu guter Letzt den tatsächlichen Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehalt zu kennen beschert Dir ein Extra-Sternchen im Recruiter-Mitteilungsheft.

  1. Über schlechte Erfahrungen reden

Man sagt, Mitarbeiter/innen kommen für einen Job und gehen wegen der Führungskraft. Mag sein und kann auch bei Dir der Fall sein. Im Bewerbungsgespräch solltest Du darüber aber den Mantel des Schweigens breiten. Ich rate Dir tunlichst davon ab, über Deinen aktuellen oder früheren Arbeitgeber, Kollegen/innen oder gar Kunden/innen zu schimpfen. Du weißt schon: Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul.

  1. Genervt auf Fragen reagieren

Das habe ich bereits in meinen Bewerbungsunterlagen geschrieben ist keine optimale Antwort auf eine gestellte Frage. Solltest Du während des Gesprächs für Dich feststellen, dass der Job doch nicht Deinen Vorstellungen entspricht oder Dir Deine Ansprechperson nicht sympathisch ist, bleibe dennoch souverän und beende das Vorstellungsgespräch professionell und freundlich. Natürlich stellst nicht nur Du Dich beim Unternehmen vor, sondern die Firma auch bei Dir. Trotzdem: Man trifft sich immer zweimal im Leben.

  1. Keine Fragen zu stellen

Während oder spätestens am Ende des Gesprächs wirst Du vermutlich gefragt werden, welche Punkte für Dich noch offen sind. Zumindest eine oder zwei für Deinen Aufgabenbereich relevante Fragen solltest Du jedenfalls parat haben. Und mit Frage meine ich nicht jene, ob die Anfahrtskosten zum Gespräch ersetzt werden oder ob Du Dir am dritten Arbeitstag Sonderurlaub nehmen kannst, weil Deine Großtante umzieht.

  1. Unpassender letzter Eindruck

Leider haben nicht alle Kandidaten/innen in der guten Kinderstube gelernt, sich für das Gespräch zu bedanken. Im Aufzug gleich jemand anzurufen und neben anderen Leuten über das Gespräch oder die/den Gesprächspartner/in zu lästern, ist ungeschickt – besonders dann, wenn ein anderer Fahrgast zufällig auch im Recruiting-Team arbeitet.

Hand aufs Herz: In welches Fettnäpfchen bist Du bei einem Bewerbungsgespräch schon mal getreten und was wirst Du bei Deinem nächsten Gespräch anders machen? Wir freuen uns, von Deinen Erfahrungen zu hören.


Sandra Eva-Maria hat zwei Steckenpferde: Schreiben und Human Resources. Die weitgereiste HR-Expertin kombiniert beides in ihren Artikeln rund um das schöne neue Arbeitsleben. Mit einem Augenzwinkern durch die erfahrene Personalistinnen-Brille greift sie jene Themen auf, die das Job-Leben von heute und morgen betreffen.

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Tipps & Tricks

5 Punkte wie Du Deine Ziele erreichst

Kennen wir das nicht alle? Wir sind seit Monaten unglücklich in unserem Job und sagen zu unseren leidgeprüften Freunden/innen, dass wir „jetzt aber wirklich bald mal was ändern müssen“. Wochen später schlürfen wir abends todmüde und mit Augenringen bis zum Boden gemeinsam das Afterwork-Getränk unseres Vertrauens und stimmen erneut in den Alles-ist-so-furchtbar-Refrain ein.

Die Wohnung ist blitzblank geputzt; sogar das Backrohr und das original verpackte Putzmittel haben bereits Bekanntschaft gemacht. Prokrastinieren deluxe sozusagen. Ist Dein Ziel, Bree Van De Kamp zu werden: Gratulation, hiermit erreicht. Wer keine Desperate Housewives-Ambitionen verfolgt, aufgepasst:

Der 5-Punkte Plan um das Tal der Tränen zu überwinden

1.) Sei ehrlich zu Dir selbst

  • Ist das Gras auf der anderen Seite des Zauns wirklich grüner?
  • Welche Ziele habe ich wirklich?
    • Den aktuellen Job, den du hasst so gestalten, dass er wieder passt?
    • Chef Voodoo-Puppen basteln?
    • Arbeitszeit reduzieren?
    • Neuen Job finden?
  • Warum habe ich diese Ziele?
    • Sozial erwünschte Antworten gleich streichen. Sei ehrlich zu dir selbst!

Der Selbstreflexions-Striptease ist nicht nur in akuten Frust-Situationen empfehlenswert. Er kann auch für die „Eh-Alles-OK-Im-Job-Menschen“ in regelmäßigen Abständen wertvoll sein.

2.) Setze Dir ein smartes Ziel und mehrere Teilziele

Lautet Dein Ziel, bis Jahresende einen neuen Job zu finden, gehe Schritt für Schritt vor:

  • Krame Deinen Lebenslauf aus den Desktop-Untiefen hervor und verpasse ihm eine inhaltlich vollständige und formal passende Überarbeitung.
  • Hol Dir Feedback und feile an ihm herum bis Du schließlich hörst: „Der ist so 2016!“.
  • Durchforste Jobbörsen, nimm Dir beispielsweise vor, eine Bewerbung pro Woche abzuschicken, fasse nach, Du weißt schon.

3.) Rede mit anderen über Deine Veränderungswünsche

Schon damals wussten unsere Großeltern: Beim Reden kommen d’Leut zam. Tausch Dich mit Bekannten aus, sage ihnen, was Du suchst und was Du bietest, gehe auf Veranstaltungen oder lass Dir Links über Weiterbildungen zuschicken. Die Arbeitskollegin der Freundin deines Bruders hat gerade gekündigt und ihr Job wird frei? Gut zu wissen. Dann schreib doch gleich mal hin, wenn der Job für Dich interessant klingt.

4.) Jage Zeitfresser und nicht Pokémons

Setz Dich auf Deine vier Buchstaben und los geht’s. In diesem Fall heißt das Zauberwort nicht „später“, sondern „jetzt“. Arbeite mit der Eier-Uhr-Methode, Pomodoro-Technik oder was Deinem lukullischen Gehirn sonst so zweckdienlich ist. Schick Dein Handy stundenweise mit dem Flugzeug in den wohlverdienten Urlaub, schließe Facebook und gönn dir nach getaner Arbeit das 345. Katzenvideo ebendort als Belohnung.

5.) Bleib dran

Wie war der wenig motivierende Spruch des eisernen Sportlehrers damals? Aufgeben tut man nur einen Brief? Das veranlasst Dich nicht mal zu einem müden Lächeln? Fair enough. Dennoch, lass Dich nicht unterkriegen, wenn Du die fünfte Absage mit Standard-Antwort bekommst, in der Dir der Arbeitgeber „viel Erfolg für die weitere Suche“ wünscht. Behalte Dein Ziel stets vor Augen und werde Dir bewusst, welche Teil-Ziele Du bereits erreicht hast.

So, und jetzt lade Deine Freunde doch mal auf eine köstliche Quiche ein. Der Backofen ist schließlich blitzblank und sie sind bestimmt auf Deine Neuigkeiten gespannt. Nämlich dass Du endlich angefangen hast, aufzuhören. Zu jammern nämlich.

Und wie motivierst Du Dich?


Sandra Eva-Maria hat zwei Steckenpferde: Schreiben und Human Resources. Die weitgereiste HR-Expertin kombiniert beides in ihren Artikeln rund um das schöne neue Arbeitsleben. Mit einem Augenzwinkern durch die erfahrene Personalistinnen-Brille greift sie jene Themen auf, die das Job-Leben von heute und morgen betreffen.

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Kreative Bewerbungen abseits von „Hiermit bewerbe ich mich als…“

Viele RecruiterInnen brauchen bisweilen einen starken, schwarzen Kaffee, in dem der Löffel stecken bleibt, um die gähnende Langeweile unzähliger 08/15 Bewerbungsschreiben tagein tagaus zu überstehen.

Gut ausgebildete AkademikerInnen schicken stapelhohe Bewerbungsunterlagen in Schriftgröße Unleserlich, spicken ihr Anschreiben mit sonst noch nie gelesener „Hands-on Mentalität“, „analytischen Fähigkeiten“ und „verbleiben mit freundlichen Grüßen“.

Selbst bei den vermeintlich kreativen „Irgendwas mit Medien-Menschen“ schaudert es Lesende oft vor Fadesse und Beliebigkeit.

Doch wie auffallen um in den Olymp des Bewerbungsgesprächs aufzusteigen?

Wie wäre es damit, für die Marketing-Lehrlingsstelle bei „Blue Tomato“ ein Video mit einem gewaschenen Bam Margera-Snowboardsturz zur Bewerbung hochzuladen und anzumerken, dass man von den erfahren Kollegen/innen gerne in die unzähligen Geheimnisse der Marketing-Welt eingeweiht werden möchte? Aufstehen, Snowboardbrille richten und (weiter-)lernen quasi.

Oder der Personalisten-Jungspund, der mit gewieften Bewerbungsunterlagen bis in die letzte Runde für die Rolle einer Konzern-HR-Leitung kam. Dort brachte er alteingesessene Vorstände und Bereichsleiter tatsächlich nur damit aus dem Konzept, für den Business Case keine Powerpoint-Schlacht, sondern kreativ gestaltete Tischvorlagen für eine gemeinsame Diskussion statt Frontalvortrag vorbereitet zu haben.

Große Augen machte auch jene Weddingplannerin, die einen selbstgebackenen Kuchen mit der Aufschrift „Ja, ich will…“ zugeschickt bekam und dessen Begleitbriefchen „…mit Ihnen zusammenarbeiten“ und Kontaktdaten enthielt.

Als Lesepatin in einer Volksschule ehrenamtlich tätig und auf der Suche nach einem Job als Hortpädagogin? Warum neben den formalen Qualifikationen nicht noch einige original gekritzelte Zitate der SchülerInnen inkludieren, die belegen, dass genau jene Bewerberin als neue Kollegin den Sitzkreis nächsten Monat leiten sollte?

Aber mich für eine Bewerbung anstrengen? Nein danke!

Das Einmaleins des perfekten Bewerbungs-Kits beherrschen die meisten bereits aus dem Effeff. Orthografisch fehlerfreie Anschreiben, ein professionelles Bewerbungsfoto (vorzugsweise nicht vom letzten Griechenland-Urlaub) und das Anhängen sämtlicher Zeugnisse und Referenzen in einem (!) PDF-Dokument (und nicht in tausend .docx-Anhängen) sind ohnehin Hygiene-Faktoren und noch lange keine Begeisterungsfaktoren.

Um andere, um die gewünschte Stelle konkurrierende Buhlschaften auszustechen, lohnt es sich bisweilen, die vielzitierte „Extra-Meile“ zu gehen und sich ein kreatives Konzept – Stichwort Selbstmarketing – zu überlegen. Hierfür kannst Du gerne auf die guten alten W-Fragen zurückgreifen: Wer bin ich und warum bin genau ICH best choice für die Position? Was kann ich abseits von abgegriffenen Floskeln anbieten? Wie stelle ich mir eine gelungene Zusammenarbeit vor? Lasst euch etwas Kreatives einfallen! Auf die Plätze, fertig, los!


Sandra Eva-Maria hat zwei Steckenpferde: Schreiben und Human Resources. Die weitgereiste HR-Expertin kombiniert beides in ihren Artikeln rund um das schöne neue Arbeitsleben. Mit einem Augenzwinkern durch die erfahrene Personalistinnen-Brille greift sie jene Themen auf, die das Job-Leben von heute und morgen betreffen.

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